Geschichte des Sauriermuseums Aathal

Aufbaujahre

Riesenschildkröte Archelon 1977Der junge Mineralien- und Fossilienhändler Hans-Jakob «Köbi« Siber zeigte 1977 eine versteinerte Riesenschildkröte von viereinhalb Metern Länge an seiner jährlichen Sonderschau in Aathal, bevor sie nach Wien ans Naturhistorische Museum gelangte. Das Interesse war riesig - und als Siber vier Jahre später im gleichen Rahmen das acht Meter lange Skelett eines Edmontosaurus ausstellte brach der Verkehr auf der Hauptstrasse vor dem Haus unter dem Ansturm der Besucherinnen und Besucher zeitweise zusammen.

Museumsgründer Hans-Jakob SiberAuf diese Erfahrungen baute Köbi Siber auf, als er 1992 / 93 das Sauriermuseum Aathal eröffnete. Zu jener Zeit hatte sich der einstige Filmemacher in der paläontologischen Fachwelt schon längst einen Namen geschaffen, und er pflegte Kontakte zu Forschern rund um den Erdball. Das familieneigene Mineraliengeschäft Siber+Siber half und hilft zu einem guten Teil mit, die Museumsaktivitäten zu finanzieren.

Nach diversen Ausgrabungsabenteuern in Nordamerika und Peru bekam Siber die Grabungsrechte für den legendären «Howe-Dinosaurier-Steinbruch». Auf dem Grundstück hatte bereits 1935 der berühmte Dinosaurierjäger Barnum Brown Tausende von Knochen ausgegraben. Doch das Grabungsteam aus der Schweiz war noch erfolgreicher. Inzwischen sind im Sauriermuseum Aathal neun selbst gegrabene Originalskelette - mit Schädeln! - zu bewundern. Eine weltweit einmalige Sammlung von bekannten Dinosauriern aus der Jurazeit! 

Ein historisches Gebäude

Baumwollspinnerei Streiff im Aathal 1903 Auch das Gebäude, in welchem das Museum untergebracht ist, hat seine eigene Geschichte. Erbaut wurde es 1903 als Baumwollspinnerei. Es wurde ab den 60er Jahren als Teigwarenfabrik genutzt. In den 80er Jahren stand das Gebäude leer, bis im April 1992 darin eine Dinosaurierschau von Siber+Siber gezeigt werden konnte. Deren Erfolg führte zum Entscheid, daraus ein Jahr später ein permanentes Sauriermuseum zu machen, dem nun fast alljährlich neue Ausstellungsteile zugeführt werden konnten, jeweils verbunden mit der Renovation einzelner Gebäudeabschnitte.

 

 

Kurze Biografie des Museumsgründers

Dr. h.c. Hans-Jakob Siber

Geschichte HJ SiberDer Gründer und Leiter des Sauriermuseums in Aathal bei Zürich, wurde am 4. September 1942 geboren. Er machte in Zürich die Matur, dann ging er nach USA und belegte an der Montana State University die Fächer Theater und Film. In die Schweiz zurückgekehrt, gründete er mit seinem Vater Hans und seinem Bruder Edward die Firma Siber+Siber, die mit Mineralien und Fossilien handelt. Seine Zukunft sah er als Regisseur und produzierte zwischen 1968 und 1972 Experimentalfilme, womit er jedoch seine inzwischen gegründete Familie nicht ernähren konnte. Er begann, sich intensiv mit der Geschichte der Tierwelt vergangener Zeitepochen auseinanderzusetzen, vertiefte sich in Literatur zu Fossilien und begann eigene Grabungen.

In den 80er Jahren grub er in Peru Skelette von fossilen Bartenwalen aus, dann verlegte er sein Tätigkeitsgebiet nach Wyoming, USA, wo er durch spektakuläre Funde von Raubsauriern, wie Allosaurus «Big Al» und pflanzenfressenden Dinosauriern wie Stegosaurier und Diplodocus Aufsehen erregte. «Köbi» Siber, bei englisch sprechenden Kollegen als «Kirby» Siber bekannt, gab sich damit nicht zufrieden. Getrieben von einer kühnen Vision, mit unermüdlichem Einsatz und ohne öffentliche Gelder baute Siber in einem stillgelegten Fabrikgebäude im Aathal ein Museum auf, in welchem heute unter anderen Objekten 18 lebensgrosse Saurierskelette und Sauriermodelle gezeigt werden. Mit über einer Million Besucher seit der Eröffnung und jährlich Hunderte von Führungen für Schulklassen ist das Museum ist nicht nur bei der Bevölkerung populär, es findet auch in der Fachwelt grosse Beachtung.

Im Laufe der letzten zehn Jahre hatte das Museum Besuch von über 40 Forschern die anhand des Fundmaterials aus Wyoming ihre Studien durchführen und die Ergebnisse in zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen verbreiteten. Im Jahr 2005 fand in Aathal die Tagung der Forschergemeinschaft von Sauropoden statt (DFG Research Unit 533). Über 20 Forscher aus Europa und Übersee nahmen daran teil, Thema: «Biology of the Sauropod Dinosaurs: The Evolution of Gigantism». Zudem organisierte Siber mehrere Spezialausstellungen und war der Initiant eines wissenschaftlichen Symposiums zu Stegosauriern, welches im Juni 2009 im Sauriermuseum stattfand. (Weltweit gibt es nur fünf gute Skelette von Stegosauriern - davon sind zwei vom Siber-Team ausgegraben worden). Hans-Jakob Siber hat seine Funde auch Interessenten an der Universität Zürich für Forschungsarbeiten zur Verfügung gestellt. Seine Verbundenheit mit den Zürcher Hochschulen zeigte sich auch in der im Herbst 2009 von der Universität Zürich und der und Eidgenössisch Technischen Hochschule Zürich (ETHZ) organisierten Darwin- Ausstellung im Hauptbahnhof, wo er drei Saurier-Skelette aus seiner Sammlung beisteuerte. Diese waren die weithin sichtbare Haupt-Attraktion und haben massgeblich zum Erfolg der Ausstellung beigetragen.

Bisheriger Höhepunkt seiner Laufbahn auf dem Gebiet der Paläontologie war die Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Zürich anlässlich der Stiftungsfeier 2010. Im gleichen Jahr hat ihm die Schweizerische Paläontologische Gesellschaft die Armanz Gressly-Auszeichnung überreicht.